Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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Der blinde Fritz, welcher doch der eigentliche Urheber des Diebſtahls war, blieb verſchwunden. Kein Verdacht fiel auf ihn. Vergebens hatte man auch nach dem Gelde, das nirgends aufzufinden war, geforſcht. Seit Neumanns Tod wurde Agnes ſowohl von Seiten des Gerichts, wie von allen Bekannten, als die allein Schuldige angeſehn. Der Selbſtmord des Vaters wurde ihr natürlich ver⸗ ſchwiegen, und Keinem von den Ihrigen der Zu⸗ tritt geſtattet. Bereits hatte ſie ein Verhör be⸗ ſtanden. Ihr ſcheues Benehmen, ihre Verwirrung und ihr andauerndes Leugnen ließen ſie ſelbſt in den Augen des humanen Richters als eine ver⸗ ſtockte Verbrecherin erſcheinen, die trotz ihres un⸗ ſchuldigen Aeußeren auf der Bahn des Laſters be⸗ reits weit vorgeſchritten ſei.

Seit jener Nacht wurde im Hintze ſchen Keller ſelbſt ihr Name nicht mehr genannt. Die gute Mutter wußte um das Geheimniß ihres Sohnes. Sie tadelte ihn nicht, ſte beklagte ihn nur und faſt brach ihr Herz, wenn ſie den kräftigen Mann ſah, der vergebens ſeinen Schmerz zu bekämpfen