Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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und heuchelte einen tiefen Schlaf. Auch ſein Mit⸗

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Ihr Leben war mit dem ſeinigen ſo eng verknüpft, wie die Schlingpflanze, welche mit dem Baum, den ſte umrankt, lebt und ſtirbt. Weil ihr Sohn blaß wurde, bleichten auch ihre Wangen, und mit ſeinen Kräften ſchwanden auch die ihrigen.

Am liebſten aber blieb jetzt Karl allein. Ver⸗ gebens hatte Fräulein Roſa einen Verſuch gemacht, ſeine Aufmerkſamkeit auf ihre Reize hinzuleiten. Er hatte kein Auge für ihre ſchmachtenden Blicke und ihr kokettes Lächeln. Kaum, daß er ihren freund⸗ lichen Gruß erwiederte, wenn ſie ihm im Hauſe nicht zufällig, ſondern abſichtlich begegnete. Er haßte das ganze weibliche Geſchlecht, weil er ſich von Einer verrathen glaubte. So mochte bereits eine Woche in Leid und Trauer für unſer Paar vor⸗ übergegangen ſein.

Aber wo ſteckte in aller Welt der blinde Fritz? In der traurigen Nacht, welche Agnes und ihren Vater in's Gefängniß führen ſah, war der Burſch mit dem Gelde, an dreitauſend Thaler in Kaſſenſcheinen, bei dem erſten Geräuſch ent⸗ ſprungen, und in dem Kellerloch des Harfenmanns verſchwunden. Dort legte er ſich ſogleich zu Bett