Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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ſchloß und den Kuß des Friedens auf ihre weichen Wimpern drückte. Leiſe hob und ſenkte ſich die Bruſt und nur zuweilen verrieth ein gepreßter Seufzer, daß ſelbſt der Schlummer nicht alles Leid der Welt zu ſänftigen vermag.

Während die Tochter ſchlief, wachte noch im⸗ mer der Vater. Sobald ſich Neumann allein ſah, warf auch er ſich auf das harte Lager, auf welchem ſchon vor ihm ſo mancher Verbrecher von Furcht geſchüttelt, oder von Reue gequält, ſich unruhig hin⸗ und her gewälzt haben mochte, wie er in die⸗ ſem Augenblick es that. Bald ſprang er wie ein wildes Thier empor, aber die Dunkelheit verhin⸗ derte ihn, mit raſtloſen Schritten den kleinen Raum zu durchmeſſen, was er gern gethan hätte. Wieder ſank er auf das Bett zurück und überließ ſich einem dumpfen Brüten. Er dachte wohl auch an die Seinigen, an Weib und Kind, doch der Gedanke

erfuͤllte ihn nicht mit guten Gefühlen und Vor⸗

ſätzen. In dieſen Augenblicken haßte er Alle, denn ihnen gab er allein das Verbrechen Schuld. Um ihretwillen, ſo belog er ſich ſelbſt, hatte er den Dieb⸗ ſtahl unternommen. Unwillkührlich ſuchte er bereits

nach Vertheidigungsgründen vor dem Richter. Auch Ring, Stadtgeſchichten. I. 15