und die Todesſehnſucht, welche nur eine Folge der⸗ ſelben war. Es trat in ihrem ganzen Weſen eine fieberhafte Reaktion ein. Ihr Herz, das vorher kaum mehr zu ſchlagen ſchien, pochte jetzt hörbar. Sie konnte in der Einſamkeit jeden ihrer eigenen Pulsſchläge zählen. Der Kopf glühte ihr und eine wilde Gedankenjagd überfüllte ihr Gehirn, daß die Stirn ihr zu ſpringen drohte. Mit beiden Händen fuhr ſie nach dem brennenden Haupte. Die Zunge klebte ihr an dem Gaumen, ein fürchterlicher Durſt peinigte ſie und ſie griff unwillkührlich nach dem rohen Steinkruge, welcher in der Nähe ihres Bettes ſtand. Ein tiefer Ekel erſaßte ſie, als ſie das ab⸗ geſtandene, laue Waſſer ſchmeckte, welches noch für den zuletzt hier weilenden Gefangenen hingeſtellt ſein mochte und gewiß ſeit einigen Tagen nicht erneuert war. Doch der peinigende Durſt überwand jedes Bedenken.
Auch dieſer phyſiſch aufgeregte Zuſtand ging vorüber. Allmählig kehrte das empörte Blut in ſein ruhig Bett zurück, und die wirren Gedanken machten einem einzigen Gefühle Platz. Die Liebe, welche ſie vernichtet und geſtorben glaubte, erwachte von Neuem in ihr mit ungeſchwächter Kraft. Wohin


