Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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das einzige Bedürfniß, das ſich ſtürmiſch geltend machte. Draußen war es ſtill, ſo ſtill, daß ſie den einförmigen Schritt der. Schildwacht hören konnte, welche auf dem erleuchteten Korridor auf⸗ und niederging. Dennoch ſchlief ſte nicht. Zuerſt beſchäftigte ſich ihre Phantaſie mit der vollkom⸗ menen Abgeſchloſſenheit, in der ſte ſich befand. Seitdem der Schließer die Thür hinter ihr zuge⸗ worfen und den kreiſchenden Riegel vorgeſchoben hatte, kam ſte ſich ſelber, wie im Grabe vor. Mit dem Verluſt der Freiheit hörte für ſte das ganze Leben auf. Das betrübte ſie auch nicht. Seitdem ſte den Untergang ihrer Ehre zugleich mit dem ih⸗ rer Liebe beklagen mußte, hatte das Daſein jeden Reiz für ſie verloren. Am liebſten wäre ſie ewig hier geblieben, eben weil der Kerker ihr wie das Grab erſchien, nach deſſen ſtillem, grünen Raſen ſie ſich ſehnte. Sterben, und bald ſterben, war ihr einziges Verlangen. Sie ſchloß die Tauben⸗ augen feſt zu und glaubte, daß der Tod auf ihren Wunſch herbeikommen würde. Er kam nicht. Ach es giebt noch größere Schmerzen, als die deinigen ſind, geliebtes Kind, doch man ſtirbt nicht immer d'ran. Bald ſchwand dieſe natüͤrliche Ermattung