Teil eines Werkes 
1. Band (1852) Christkind-Agnes : eine Stadtgeschichte / von Max Ring
Entstehung
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XVIII.

Hinter Agnes und ihrem Vater hatten ſich die Pforten des Gefängniſſes geſchloſſen. Aus Rück⸗ ſicht darauf, daß ſie noch nicht beſtrafte Verbrecher und weil zufällig einige Zellen leer ſtanden, wurden ſie in beſondere Abtheilungen geſperrt. Natürlich blieben ſie ſelbſt von einander getrennt. Das arme Kind betrachtete dieſe Einrichtung als ein nicht ge⸗ hofftes Glück. Agnes wollte allein ſein, der An⸗ blick fremder Menſchen hätte ſie in dieſem Augen⸗ blicke ihr Elend in ſeinem vollen Umfange empfinden laſſen. Vor allem war es ihr eine Wohlthat, nicht mit Neumann denſelben Kerker theilen zu müſſen.

Die Zelle, welche ihr angewieſen wurde, und die ſte beim Schimmer der Lampe, die der Gefäng⸗ nißwärter trug, betrachten konnte, war nur wenig kleiner, als die Küche, in der ſie ſeit zwei Monden ſchlief. In der Ecke ſtand ein Bett mit einer Strohſackmatrazze und einer rauhen, wollenen Decke verſehn. Als der Kerkermeiſter ſie verlaſſen hatte, warf ſie ſich angekleidet auf das harte Lager hin. Ihr waren alle Glieder wie gebrochen, und die er⸗ ſchöpfte Natur forderte ihr Recht. Ruhe war