Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

216

Er ſelbſt wurde in dieſer Stunde von der Glut ſeiner Neigung überraſcht, welche er längſt bekämpft und er⸗ loſchen glaubte. Ihr Anblick hatte die alten Wunden, die mühſam vernarbt waren, wieder aufgeriſſen. Der Schmerz war um ſo heftiger und tiefer, da er zugleich mit ihr den Sohn verlieren ſollte, den er ſich gewöhnt hatte, als den ſeinigen anzuſehen. Wie gern hätte er Beide zurückgehal⸗ ten. Der Augenblick der Trennung ließ ihn all' die Rückſichten und Bedenken vergeſſen, die ihm bisher vor⸗ geſchwebt; in einfachen und edlen Worten bot er jetzt Martha ſeine Hand und ein Aſyl in ſeinem Hauſe an. Ich kann mich nicht von dem geliebten Kinde tren⸗ nen, ſagte er bewegt.Ich habe, wenn Sie ihn mir nehmen, nichts mehr auf der Welt, was ich mein nennen darf. Stoßen Sie nicht die Hand zurück, welche die un⸗ eigennützigſte Liebe Ihnen bietet. Denken Sie an die Zu⸗ kunft des Knaben, an Ihre eigene Lage. Ich weiß, daß Sie zu ſtolz ſind, um von mir oder irgend einem Manne eine Unterſtützuug anzunehmen. Wüßte ich ein anderes Auskunftsmittel, um Sie mit dem Kinde für immer ſicher zu ſtellen, ſo würde ich geſchwiegen und mein Ge⸗ ſtändniß zurückgehalten haben. Gott iſt mein Zeuge, daß ich dabei am wenigſten mein eigenes Glück berückſichtigen will; nur an Sie und Franz habe ich gedacht, als ich ein ſolches Geſtändniß Ihnen that. Ueberlegen Sie mein