Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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Dort ſteht Deine Mutter, ſagte er zu dem Klei⸗ nen mit abgewendeten Blicken, um ſeine Thränen zu ver⸗ bergen.

War es der Zug des Herzens, die Stimme der Natur, oder die Erinnerung an jene Zeit, wo er Martha öfters geſehen; der Knabe ſtieß bei ihrem Anblick einen lauten Freudenſchrei aus und eilte auf ſie zu, den blonden Lockenkopf in ihren Schooß bergend und ſie mit ſeinen zarten Armen umklammernd, als wenn er ſich fürchtete, ſie wieder zu verlieren. Sie beugte ſich zu ihm nieder und bedeckte ſeinen friſchen rothen Mund mit ihren Küſſen und Thränen.

Es war eine tiefe heilige Stille eingetreten, ein ſchweigender Gottesdienſt der Mutterliebe.

Als ſich Martha wieder aufrichtete, glaubte Bau⸗ diſſen an ihr eine Würde zu bemerken, welche ſeinen Ge⸗ fühlen Schweigen auferlegte. Erſt als die Stunde des Abſchiedes ſchlug und er ſich von ihr und dem Knaben für immer trennen ſollte, lieh er ſeinen Schmerzen Worte. Vergebens ſuchte der ſonſt ſo willensſtarke und ruhige Mann ſeine gewohnte Faſſung zu behaupten. Unter ſeiner anſcheinenden Kälte verbarg er wie alle

ſtarken Seelen eine Tiefe der Empſindung, eine Kraft der Leidenſchaft, die er ſonſt vor der Welt durch die ſtrengſte Selbſtbeherrſchung zu bemeiſtern und zu verhehlen wußte.