Bruſt; ſie hatte ihr verlorenes Kind wiedergefunden.— Der bloße Gedanke gab ihr neue Kraft; ſie fühlte, daß ſie jetzt nicht ſterben dürfe; ſie wollte leben, ſie mußte leben— für ihr Kind.
In Begleitung des Souffleurs eilte ſie jetzt zu der Wohnung Bandiſſen’s; die eben erhaltene Nachricht ver⸗ lieh ihr eine wunderbare Haltung; jede Schwäche ſchien von ihr gewichen, eine liebliche Freudenröthe hatte die Bläſſe ihrer Wangen verſcheucht. So trat ſie wie eine Verklärte dem alten, treuen Freunde nach langer Tren⸗ nung gegenüber, um von ihm den Sohn zu fordern. Er war von dem Zwecke ihrer Ankunft zwar unterrichtet, dennoch konnte er ſich einer tiefen Bewegung nicht er⸗ wehren; ſie fühlte, wie ſeine Hand, die er ihr entgegen⸗ ſtreckte, in der ihrigen zitterte; ſie ſah, wie ſeine aus⸗ drucksvollen Züge unwillkürlich das Geheimniß ſeines Herzens verriethen.
„Martha!“ rief er erſchüttert,„Sie kommen, um mir das Letzte zu rauben, was Sie mir noch gelaſſen haben.“
„Mein Kind!“ entgegnete ſie, ohne auf ſeinen Vor⸗ wurf ſcheinbar zu achten.„Laſſen Sie mich mein Kind ſehen.“ 1
Er ging in das Nebenzimmer, um den Knaben zu holen, den er in ihre Arme führte.


