Anſtand zu nehmen ſchien, ihr die Wahrheit zu berichten. Ihr bleiches Ausſehen und die unverkennbaren Spuren ihrer Leiden flößten ihm nur gerechte Beſorgniſſe ein, ſie zu betrüben. In ſeinem ganzen Weſen ſprach ſich ihr ge⸗ genüber die zarteſte Schonung aus.
„Reden Sie ungeſcheut,“ mahnte ſie ihn.„Ich kann die Wahrheit hören. Fürchten Sie nicht, mich an⸗ zugreifen; ich bin an traurige Nachrichten ſo gewohnt, daß ich vor Nichts mehr erſchrecken kann.“
„Gut! Sie ſollen Alles wiſſen.— Nach Ihrer Flucht trieb es Herr Ferdinand toller als je. Ich will Sie lieber mit dem Berichte ſeiner Ausſchweifungen ver⸗ ſchonen; er ſank immer tiefer, bis zuletzt der Direktion nichts übrig blieb, als ihn zu entlaſſen. Jetzt erſt ergab er ſich ganz ungeſcheut dem Trunke; das Geld dazu ver⸗ ſchaffte er ſich durch kleine Darlehen und Almoſen von ſeinen früheren Collegen. Lange trieb er es nicht mehr; er richtete ſeinen Körper vollends zu Grunde und mußte in das Spital aufgenommen werden, die letzte Zuflucht des liederlichen Comödianten. Dort ſtarb er auch auf das elendſte; kurz vor ſeinem Tode ſchien noch einmal ſeine beſſere Natur hervorbrechen zu wollen. Er empfand die tiefſte Reue und ließ mich rufen. In meiner Gegenwart klagte er ſich wegen ſeines früheren Lebenswandels an; er machte mir die umfaſſendſten Geſtändniſſe, die ich


