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Kuß der liebevollen Freundin ſagte ihr Alles; ſie rafſte ſich gewaltſam auf und ſchien ihren Schmerz mit der höchſten Anſtrengung ihrer Willenskraft zu beherrſchen.
„Sagen Sie mir, ob er mir verziehen hat?“ fragte ſie mit rührender Angſt in ihren Zügen.
„Er hat Ihnen vergeben und ſegnet Sie mit ſei⸗ nem letzten Hauch,“ antwortete der Paſtor tief ergriffen.
Erſt jetzt löste ſich der Starrkrampf, der ſie anfäng⸗ lich wie ein eiſernes Band umſchnürt hielt; ihre Züge wurden milder und weicher, ihr Auge füllte ſich mit er⸗ leichternden Thränen; ſie ſchien zu beten, denn ſie hatte ihre Hände gefaltet und ihren Blick zum Himmel gerichtet. Dort Oben ſuchte ſie den Troſt, den ſie von der Erde nicht mehr zu erwarten hatte.
„Und darf ich nicht den Brief leſen, den Sie em⸗
pfangen haben?“ fragte ſie nach einer ernſten Pauſe den Paſtor.
„Ich will Ihnen denſelben nicht vorenthalten, da ich Sie ſo ergeben und gefaßt finde. Nicht nur Rudolph, auch ſeine Eltern, die an ihm die einzige Stütze und Freude der alten Tage verloren haben, zürnen Ihnen nicht. Der Todte hat auch ſie mit Ihnen ausgeſöhnt und Ihnen ihre Verzeihung ausgewirkt.“
Mit dieſen Worten reichte ihr der Paſtor den an ihn gerichteten Brief des Barons mit der Nachricht von


