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Jetzt quälten ſie die alten Erinnerungen von Neuem; ſie gedachte jenes Tages, wo Ferdinand halb durch Drohun⸗ gen, halb durch Vorſtellungen ihre Einwilligung erzwang, ſich von dem hilfloſen Kinde zu trennen. Daß ſie damals aus Rückſicht auf ihre eigene Lage, aus Furcht vor der Welt und ihrem Urtheil ihm nachgegeben, machte ſie ſich zum bitterſten Vorwurfe. Sie klagte ſich ſelbſt als die Mörderin ihres Kindes an, das fern von der Mutter und unter fremden, liebloſen Händen verkommen mußte. Wäre das Kind am Leben geblieben, ſo hätte ihr gan⸗ zes Schickſal eine andere Wendung genommen; ſie hätte wenigſtens ein Weſen auf der Welt gehabt, das ſie hätte lieben können; ſie wäre dadurch vor allen Verſuchungen bewahrt worden, denn die Nähe eines unſchuldigen Kin⸗ des ſchützt die Mutter vor allen unlauteren Gedanken; die Engel an ſeiner Wiege wachen auch über ſie.— Wenn ſie Zeugin von Getrud's unbeſchreiblicher Seligkeit war, womit dieſe das erſte Lächeln ihrer Kleinen, die zarten Regungen des jungen Lebens, begrüßte, ſo mußte ſich Martha abwenden, um die hervorſtürzenden Thränen zu verbergen. So ſtürmte Schmerz und Reue von allen Seiten auf die Unglückliche ein, nur ihr religiöſes Be⸗ wußtſein, das ſie ſich unter allen Verhältniſſen bewahrt hatte, ſchützte ſie vor Verzweiflung. Sie fand den größten Troſt bei ihrem Glauben und in dem Beſtreben, ſich An⸗


