Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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dene Herz nach einem Auswege ringt, ſchwinden die ge⸗ wöhnlichen Bedenklichkeiten; all' die Schranken, welche falſche Scham und hergebrachte Sitte uns auferlegen, werden von einem höheren Drange nach Wahrheit über⸗ wunden. Unwiderſtehlich und oft gegen unſeren eigenen Willen brechen unſere verborgenſten Gedanken hervor, verräth ſich die geheime Schuld.

Wie die Samaritanerin am Brunnen ſaß Martha neben dem Paſtor auf der Bank, wo ſich Beide im Ver⸗ laufe des Geſpräches niedergelaſſen hatten. Er hörte ſie mit unverkennbarer Theilnahme an, ohne ihre ſeltſamen Ergießungen zu unterbrechen. Sein wohlwollendes Ge⸗ ſicht drückte eine ernſte Rührung aus, eben ſo weit ent⸗ fernt von weichlichem Mitleiden, wie von zelotiſcher Strenge. Die klaren blauen Augen hatte er meiſt auf ſie gerichtet; wenn ſie ſtockte oder inne hielt, brauchte er ſie nur damit anzublicken, worauf ſie wie unter einem uner⸗ klärlich magnetiſchen Einfluße in ihren Bekenntniſſen fort⸗ fuhr. Gedankenvoll zeichnete er mit dem Stocke, den er in der Hand trug, allerlei Figuren in den Sand zu ſei⸗ nen Füßen; vielleicht um vor ihr eine Erſchütterung zu verbergen, die er nicht zu unterdrücken vermochte. Er war ein trefflicher Kenner des menſchlichen Herzens, in⸗ dem er mit der reinſten Herzensgüte einen ſeltenen Scharf⸗ blick verband. Er konnte darum nicht ſo leicht getäuſcht

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