Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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werden, weil er ſtets auf der Hut vor ſeinen allzuwar⸗ men Gefühlen war. Anfänglich hatte auch er Martha's Geſtändniſſe mit verzeihlichem Mißtrauen aufgenommen, obgleich gerade in ſeinem Stande derartige Ereigniſſe nicht eben zu den Seltenheiten gehören; aber je länger ſie ſprach, deſto mehr drängte ſich ihm die Ueberzeugung auf, daß er es hier nicht mit einer gewöhnlichen Aben⸗ teuerin zu thun hatte, wie er zuerſt befürchtete. In ihren Worten lag eine innere Wahrheit, der Ausdruck ihrer Reue war ſo aufrichtig, ihre Selbſtanklagen klangen ſo ſchmerzlich wahr, daß jeder Zweifel davor ſchwinden mußte.

„Und nun,“ ſagte ſie zum Schluße ihrer Rede mit niedergeſchlagenen Blicken,„kennen Sie mein ganzes Le⸗ ben. Werden Sie mir noch eine Stelle in Ihrem Hauſe anbieten, nachdem Sie Alles wiſſen?“

„Jetzt nur noch dringender als früher,“ entgegnete der würdige Paſtor im Sinne des Heilands.„Kommen Sie und folgen Sie mir.“

„Wie, Sie wollen mich in den Kreis Ihrer Familie aufnehmen, Sie ſtoßen mich nicht zurück?“ fragte ſie überraſcht und noch immer zweifelnd.

„Ich ſchwanke keinen Augenblick, da ich von der Aufrichtigkeit Ihrer Geſinnung überzeugt bin. Wollen Sie mir mein Kreuz tragen helfen?“