ſo gut dies bei dem fortwährenden Rütteln und Schüt⸗ teln angehen mochte, ſich dem Schlafe überließen. Nur Martha ſchlief nicht, von der Sorge um die Zukunft und von ihren traurigen Erinnerungen wach gehalten. Das glühende Geſicht an die kühlen Fenſterſcheiben des Cou⸗ pees gepreßt ſtarrte ſie hinaus in die dämmernde Nacht und auf die wandelnde Szenerie in einer Art moraliſcher Betäubung.
Oft wenn ein großer Schmerz das Herz erfüllt, heften ſich unſere Sinne mechaniſch an die Außenwelt und ſuchen dort die nöthige Zerſtreuung. Mitten in einem ge⸗ waltigen, vernichtenden Ereigniſſe irrt das Auge von einem Gegenſtande zu dem andern, als wollte es dem eige⸗ nen Jammer entgehen. Die unbedeutendſte Kleinigkeit, ein Baum, ein vorüberziehender Vogel nimmt unſere Auf⸗ merkſamkeit dann in Anſpruch und prägt ſich dem Ge⸗ dächtniß ein, ſo daß wir uns noch nach vielen Jahren des geringſten Umſtandes erinnern. Es iſt dies eine Art von Reaktion, eine Flucht des Geiſtes vor ſich ſelber, eine Rettung in die Natur, welche wie immer ihren Troſt dem Leidenden nicht verſagt. In dieſer Abziehung liegt zum großen Theil die heilthätige Kraft des Reiſens für ein zerrüttetes Gemüth. Doch bald bricht wieder der alte Schmerz hervor, die Wunde blutet von Neuem, wel⸗ che ſich nur für einen kurzen Augenblick geſchloſſen hat,


