213
die angeſchwollenen Adern um Schläfen und Stirne, ihre ganze drohende Haltung verliehen ihr in dieſem Augen⸗ blicke eine grauenvolle Schönheit, welche an die verſtei⸗ nernde Gewalt der Meduſa mahnte und wie dieſe den alten Sünder durch ihren ſchrecklich holden Zauber bann⸗ te.— Verwirrt und beſchämt hielt er es für gerathen, ſeinen Rückzug zu nehmen, indem er noch einige Worte zu ſeiner Entſchuldigung ſtammelte.
Sobald er gegangen war, ſchloß ſie mit wilder Haſt hinter ihm die Thüre zu. Ihre Aufregung hatte ſie noch nicht verlaſſen, aber ſie war zu einem feſten Entſchluße gelangt und handelte nun demgemäß. Statt ſich einer verzeihlichen Schwäche zu überlaſſen, raffte ſie ihre ganze Energie zuſammen, um ſich aus einer ſolch' verhaßten und entehrten Lage zu befreien. Ferdinand ſelbſt hatte ſie durch ſein Betragen von ihrem Gelübde losgeſprochen; ſie glaubte ihm nichts mehr zu ſchulden; der Elende durfte keinen Anſpruch mehr an ſie erheben, nachdem er ſie preisgegeben und verrathen hatte. Der fromme Wahn, in dem ſie befangen geweſen, war zerſtört, die Kette zer⸗ riſſen, durch die er ſie bis jetzt ohne ſein Wiſſen gefeſſelt hielt. Sie hatte das höchſte Recht, ſich von ihm zu tren⸗ nen und ihn für immer zu verlaſſen.
Aber nur die ſchleunigſte Flucht konnte ſie retten.— Sie kannte ihn zu genau, um nicht neue gewaltſame


