181
„Auf dem Hof der Anſtalt,“ entgegnete die Diako⸗ niſſin mit niedergeſchlagenen Augen.
„Was hatten Sie zu ſo ungewohnter Stunde da zu ſuchen?“
Martha ſchwieg, obwohl ſie manchen mildernden Grund für ihr Betragen vorbringen konnte; aber dieſe hochmüthige Strenge weckte auch ihren Stolz und ſie war entſchloſſen, lieber das Aeußerſte zu dulden, als ſich vor der Erbarmungsloſen zu demüthigen.
„Antworten Sie,“ fuhr die Oberin in ihrer Weiſe fort.„Können Sie leugnen, daß Sie mit einem fremden Manne gefunden worden ſind?“
„Ich leugne dieſen Umſtand nicht.“
„Wer iſt dieſer Mann und in welchem Verhältniſſe ſtehen Sie zu demſelben?“
„Das iſt mein Geheimniß, das ich freiwillig nie verrathen werde.“ 3
„Ich werde Sie zu zwingen wiſſen. Sie ſcheinen 1 nicht die Mittel zu kennen, die mir zu Gebote ſtehen, um Ihre Widerſpänſtigkeit und Ihren Trotz zu brechen?“
„Ich erwarte keine Schonung und werde geduldig zu ertragen wiſſen, was über mich verhängt iſt.“ 4 „Wiſſen Sie auch, daß ich Sie der Polizei über⸗
geben kann, welche liederliche Dirnen in das Arbeitshaus bringt?“


