Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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Ehe ſie ſelbſt nur eine Ahnung hatte, war ſie verloren.

Jahre waren ſeit jener erſten Begegnung verſtrichen, Jahre voll ſchwerer Leiden, ſchrecklicher Erfahrungen und bitterer Enttäuſchungen. Sie hatte ſeinen verdorbenen Charakter in ſeiner ganzen Erbärmlichkeit kennen und verachten gelernt, ſich von ihm mit tief verwundetem Herzen endlich losgeſagt, um einen beſſeren Weg einzu⸗ ſchlagen. Aber ein dunkles Verhängniß ſchien ihr nicht die heiß erſehnte Ruhe gönnen zu wollen und hatte ihr von Neuem und unter unabweisbaren Verhältniſſen dieſen Mann zugeführt, als ſie ihn bereits für immer vergeſſen glaubte. Sie fühlte jetzt ihm gegenüber eine ungeheuere Verſchuldung, die ſie durch das größte Opfer büßen wollte; darum hatte ſie in dieſe nächtliche Zuſammenkunft einge⸗ willigt, um ihn mit ihrem vielleicht zu ſchwärmeriſchen Entſchluße bekannt zu machen.

Ferdinand konnte freilich nicht die geheimen Beweg⸗ gründe ihrer ſeltſamen Handlunsweiſe kennen; anfänglich überraſcht war er bald mit ihrem Vorhaben vollkommen einverſtanden, da er ſchnell alle für ihn daraus erwach⸗ ſende Vortheile berechnete. Er ſelbſt hatte nur geringe Ausſichten als Schauſpieler ein Engagement zu finden, da er mit der verlorenen Tugend auch ſeine früheren Vor⸗