Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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den er vor dem Spiegel einſtudirt und völlig in ſeiner Gewalt hatte. Er ſpielte mit anerkennungswerther Vir⸗ tuoſität jede beliebige Rolle, die er wollte, und heuchelte gewöhnlich einen tiefen Schmerz, deſſen ſein leichtſinniger Charakter am wenigſten fähig war.

Eine mehr als gewöhnliche Bildung, denn er hatte einige Jahre die Univerſität beſucht, um Philoſophie zu ſtudiren, zeichnete ihn vor ſeinen meiſt in dieſer Be⸗ ziehung verwahrlosten Fachgenoſſen vortheilhaft aus; doch waren ſeine Kenntniſſe mehr oberflächlich blendend, als gründlich und tief. Er hatte früher viel und ohne be⸗ ſondere Auswahl geleſen, ſo daß er über Alles mitſpre⸗ chen konnte, wodurch er den Anſchein einer imponirenden Gelehrſamkeit erhielt. Sein Wiſſen war indeß nur frag⸗ mentariſch ungeordnet und ohne Zuſammenhang, weßhalb es ihm auch keine wahre Befriedigung geben konnte. Als junger Student hatte er im raſchen Fluge alle Phaſen

der modernen Geiſtesentwickelung durchgemacht; von dem höchſten und feinſten Spiritualismus ausgehend war er zuletzt bei dem kraſſeſten Materialismus angelangt, wo der ſich ſelbſt vergötternde Geiſt im Schlamme der Ge⸗ meinheit unterſinkt, da nach einer alten Erfahrung ein Extrem an das andere grenzt. Wie er früher für die abſolute Idee geſchwärmt, ſo predigte er jetzt mit dem⸗ ſelben Eifer die gröbſte Genußſucht, den furchtbarſten