Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

167

hafter Unterhaltung mit ihren Schweſtern; er hatte ſich der Familie durch einen bereits mit ihr bekannten Freund vorſtellen laſſen und bald war er der tägliche Gaſt der⸗ ſelben. Ueber die Reize der älteren Schweſtern hatte er anfänglich Martha's aufblühende Schönheit überſehen, bald jedoch reizte den blaſirten, überſättigten Mann die jugendliche Friſche und Unerfahrenheit der unſchuldsvollen Knospe.

Ferdinand beſaß damals noch alle Eigenſchaften, um ein unerfahrenes Frauenherz zu verführen; er war mit jener dämoniſchen Schönheit ausgeſtattet, welche durch den eigenen Zauber, der ſie umgibt, eine gefähr⸗ liche Anziehungskraft ausübt. Das bleiche, ſcharf ge⸗ ſchnittene Geſicht hatte zwar einen etwas verlebten Aus⸗ druck, die dunklen Augen glichen erloſchenen Vulkanen, aber es gab Augenblicke, wo ſich die abgeſpannten Züge wunderbar belebten, ſeine Blicke einen faſt unerträglichen Glanz annehmen konnten. Meiſt jedoch war dieſe Auf⸗ regung eine künſtliche, zuweilen ſelbſt durch einige Glä⸗ ſer Wein hervorgebracht, zu dem er häufig ſeine Zuflucht nahm, um ſeine erſchlafften Lebensgeiſter zu beleben. Die Bläſſe ſeiner Wangen gab ihm einen leidenden Anſtrich, der ihn intereſſant machte und vorzüglich das Mitleid der Damenwelt erregte. Dieſen Eindruck ſuchte er ab⸗ ſichtlich durch einen melancholiſchen Zug zu verſtärken,