Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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An dem Leichenhauſe befand ſich eine Art von Vor⸗ bau, wo verſchiedene Utenſilien, Todtenbahren, Schau⸗ feln, Stricke und ähnlicher Zubehör des Grabes auf⸗ bewahrt wurden. Die Thür war nicht verſchloſſen, da ſich ſchwerlich ein Dieb gefunden hätte, der hier auf Raub ausgegangen wäre; denn die Furcht vor dem un⸗ heimlichen Orte war der beſte Wächter.

Dieſe Vorhalle hatte Martha für ihre Zuſammen⸗ kunft mit Ferdinand abſichtlich gewählt, und ihm die Lage des Ortes ſo genau beſchrieben, daß er nicht fehlen konnte. Einige Minuten, die ihr eine Ewigkeit ſcheinen mußten, waren bereits über die beſtimmte Zeit verſtrichen, ohne daß er ſich ſehen ließ. Sie hatte die Thür nur leiſe an⸗ gelehnt, um ſogleich die Schritte des Nahenden zu hören. Mit ängſtlicher Spannung ſah ſie dem gefürchteten Au⸗ genblick entgegen, umringt von den Schrecken des Todes, der ihr jedoch minder Entſetzen einjagte als die Begeg⸗ nung mit dem Lebenden.

Sie ſtand zuſammengekauert und von Froſt ge⸗ ſchüttelt auf der Schwelle der Vorhalle und ſpähte in die dunkle Nacht hinaus. Um nicht erkannt zu werden, hatte ſie ein Tuch über das Haupt genommen, welches ihr Ge⸗ ſicht faſt vollſtändig verhüllte. So harrte ſie noch im⸗ mer auf den Zögernden, der ſonſt kein Weib bei einem Stelldichein ſo leicht warten ließ.