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Es war die Leichenkammer, wo die Geſtorbenen in ihren Särgen bis zur Stunde des Begräbniſſes lagen. Daſelbſt wurden auch die Sektionen an den Todten von der geübten Hand des Arztes auf dem rothen Tiſche vorgenommen.
Dahin lenkte die Diakoniſſin jetzt ihre Schritte, weil es der einzige Ort war, wo ſie ungeſtört und un⸗ belauſcht mit Ferdinand zuſammenkommen konnte. Ob⸗ gleich es ihr nicht an Muth fehlte, ſo ſchlug ihr doch das Herz ſtärker, und ein Schauer überlief ſie zuweilen eiſig kalt, je mehr ſie ſich dem ſchrecklichen Aufenthalte der Geſtorbenen näherte.
Beim blaſſen Scheine des eben hervortretenden Mondes konnte ſie jetzt durch die Fenſter mehrere Särge ſehen, in welchen die angekleideten Todten in den weißen Sterbekitteln ruhten; ein nackter Leichnam war auf dem Tiſch ausgeſtreckt, um am frühen Morgen ſezirt zu wer⸗ den. Beim Anblick dieſer furchtbaren Geſtalten, die ſie deutlich erkennen konnte und deren ſtarre Züge ihr zu dro⸗ hen ſchienen, ſchloß ſie unwillkürlich ihre Augen; ihre Kniee wankten, ihre Glieder zitterten.
Faſt bereute ſie es, hierher gekommen zu ſein; aber ſie hatte Ferdinand ihr Verſprechen gegeben, ihn an die⸗ ſem abgelegenen Ort zu treffen, wo kein anderer Menſch ſich ſo leicht hinwagte.


