am Herde, in ihrer weißen Schürze und mit dem ſau⸗ beren Häubchen, das ſie der Hitze wegen aufgebunden und ein wenig zurückgeſchoben hatte, nahm ſie ſich wie eine tüchtige Hausfrau aus. Man ſah es der kleinen rüſtigen Geſtalt mit dem freundlich gerötheten Geſichte an, daß ſie ſich in ihrem eigentlichen Elemente befand, daß Kochen, Backen und Braten zu ihren Lieblingsbeſchäftigungen ge⸗ hörte. Mit dem großen Küchenlöffel in der Hand, den ſie wie ein Szepter ſchwang, ertheilte ſie ihre Anweiſungen, mit ſicherem Blick das Ganze überſchauend und leitend. Bald ſorgte ſie, daß die Suppe nicht überkochte, daß der Braten nicht zu braun würde, bald griff ſie mit ſicherer
Hand in ein neben ihr ſtehendes Gefäß und gab den zu
bereitenden Gerichten das nöthige Salz und Gewürz, ohne daß ſie jemals ein Körnchen zu viel griff. Sie wußte auf ein Haar, wie viel Butter, Schmalz und andern Zu⸗ thaten ſie brauchte, was keine Kleinigkeit war, da ſie viele hundert Portionen anzurichten hatte.—
Wie eine Prieſterin der edlen Kochkunſt in eine Dampfwolke gehüllt, bemerkte ſie jetzt wohl Martha und die ihr bekannte Begleiterin.
„Schweſter Getrud!“ rief ſie ihr entgegen, indem ſie ſich den Schweiß von der Stirn trocknete und die Haube ein wenig zurecht ſchob.„Läßt Du Dich auch einmal wieder hier unten bei uns ſehen. Ich dachte ſchon,


