Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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vielleicht ein allzuſtrenger Beobachter in dieſer

einer proteſtantiſchen Aebtiſſin zu ſehen glauben. ie Oberin ſaß in der Nähe des Bogenfenſters vor mit ausgelegten Arbeiten verzierten Tiſch, auf dem Schreibmaterialien und einige in Sammt koſtbar gebun⸗ dene Gebetbücher lagen. Sie war eine ſtattliche Dame aus einer alten adeligen Familie, welche ſich durch ihre entſchieden religiöſe Richtung auszeichnete. In ihren re⸗ gelmäßigen, ſcharfen Zügen gab ſich ein ungewöhnlicher Geiſt zu erkennen. Die hohn, hervortretende Stirne, der feſte, geſchloſſene Mund und der gebieteriſche Blick der kalten blauen Augen verkündigten einen ſtrengen Sinn und eine nachſichtsloſe Energie. Weibliche Anmuthund Liebenswürdigkeit würde man dagegen vergebens in dem langen ernſten Geſichte geſucht haben, das trotzdem die unverkennbaren Spuren der früheren Schönheit trug. Sie war mit dem gewöhnlichen Gewande der Diakoniſſinnen bekleidet, nur daß dasſelbe von feinerem Stoffe war; ſtatt der Haube fiel ein weißer Schleier über ihre gelb⸗

lich blonde Locken und ein goldenes Kreuz ſchmückte

ihre Bruſt.

Bei dem Geräuſche, das der Eintritt des jungen Mädchens verurſachte, wandte ſie den Kopf nach der Thür, ohne ſich von dem Lehnſeſſel zu erheben. Erſt im Verlaufe des folgenden Geſpräches ſtand ſie auf und