Teil eines Werkes 
1. Band (1859)
Entstehung
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Anklopfen rief eine ſanfte Stimme:Herein. Sie folgte und trat in eine Art von Vorgemach, wo ſie von einer dienenden Schweſter empfangen und nach ihrem Begehr gefragt wurde. 1

Warten Sie, ſagte dieſe freundlich,die Oberin wird wohl zu ſprechen ſein; ich will ſogleich gehen und Sie melden. 1

Das junge Mädchen blieb allein zurück voll banger Erwartung und von den verſchiedenartigſten Gefühlen be⸗ ſtürmt. Während ſie auf den Beſcheid hier wartete, zog noch einmal ihr vergangenes Leben an ihr vorüber, die Szenen der glücklichen Kinderzeit in dem Hauſe ihrer nun verſtorbenen Eltern, ihre ſtürmiſche Ingend voll von zum

Theil ſelbſt verſchuldeten Verirrungen. So jung ſie auch

war, hatte ſie ſchon das Leben mit ſeinen Tiefen und Ab⸗ gründen, ſeinen Verwicklungen und Täuſchungen kennen gelernt; ſie war vollkommen entzaubert und kannte keinen andern Wunſch, keine andere Zuflucht, als die Mauern dieſes klöſterlichen Krankenhauſes, wo ſie ſich mit ihrer Vergangenheit begraben wollte, um endlich die erſehnte Ruhe zu finden. Zugleich aber fühlte ſie das lebendige Bedürfniß, der edlen Oberin, zu der ſie wie zu einer Hei⸗ ligen emporſchaute, die volle Wahrheit zu geſtehen, ihr nichts zu verſchweigen; ſie gedachte ihr Herz in den Bu⸗ ſen der hohen Frau auszuſchütten, mit ihr zu ſprechen