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Sitte und Gewohnheit gezogenen Schranken ängſtlich zu beachten; ſo ſtürzen ſie wie der Schmetterling geblendet in die Flamme, ſich ſelber verderbend und mehr als An⸗ dern ſchadend.
Aus ihren Reihen ſind jene große Sünderinnen und heilige Frauen einſt hervorgegangen, die Samaritanerin und die Ehebrecherin, welchen der Heiland ihre Schuld verziehen, und die reuevolle Maria Magdalena, der ſo viel vergeben wurde, weil ſie viel geliebt.—
Das Vorhaben des jungen Mädchens, der Welt für immer zu entſagen und von nun an in Gethſemane zu le⸗ ben, konnte nur die Eingebung einer augenblicklichen Ver⸗ zweiflung ſein, da ſie in ihrer gegenwärtigen Stimmung, ſo wie überhaupt ihrer ganzen Natur nach, keines ruhigen Entſchluſſes und üderlegten Gedankens vorläufig fähig war.
Bald zögernd, dald wieder eilend, wie ein Wande⸗ rer, der ſich verirrt hat und nicht weiß, ob er ſich auf dem richtigen Wege befindet, ſchritt ſie über den weiten Hof, nachdem ſie ſich bei dem Pförtner erkundigt hatte, ob ſie die Oberin ſprechen könne.— Dieſer wies ſie nach dem linken Seitenflügel, wo ſich die Wohnung der Vor⸗ ſteherin befand. Zögernd ſtieg ſie die breiten Steintreppen empor, mit pochendem Herzen durchſchritt ſie den langen Gang, bis ſie vor der bezeichneten Thüre ſtand. Auf ihr


