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Der Geheimrath : ein Lebensbild / von Max Ring
Entstehung
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hier war Gott und der Gefangene fand das wahre Glück im Kerker wieder, das er draußen in der großen Welt verloren hatte. Die eintretende Dämmerung erinnerte erſt an die Trennung, welche alle Anwe⸗ ſenden vergeſſen zu haben ſchienen, bis der Wache haltende Beamte ſie wiederholt daran mahnte. Reisland blieb allein zurück, aber er war nicht mehr elend. Mit Geduld und Sanftmuth ertrug er ſein Geſchick, mit Ergebung ſah er die Entwickelung eines körperlichen Leidens, das die Folge ſeiner viel⸗ fachen Gemüthsbewegungen war und ſeine baldige Auflöſung herbeizuführen drohte. Mit jedem Tage wurde er ſchwächer, ſo daß er in die Krankenanſtalt des Gefängniſſes gebracht werden mußte. Bald konnte er nicht mehr das Bett verlaſſen, von dem die treue Gattin nicht mehr weichen wollte. Sie hatte die Er⸗ laubniß ſich erwirkt, ihn pflegen zu dürfen und lebte nur noch dieſer Pflicht; Tag und Nacht wachte ſie bei ihm, ohne ihre früheren Leiden und die eigene Schwäche zu bedenken. Sie reichte ihm die Medizin, las ihm aus ſeinem Lieblingsbuche der Bibel vor und ertrug jedes Opfer mit hingebenſter Geduld und Liebe. Nur zuweilen durfte Martha, wenn die Er⸗ ſchöpfung ſie zu überwältigen drohte, die Mutter ab⸗ löſen. Oefters kam auch Friedrich mit ſeiner Frau