244
hatte eine Bibel verlangt, die ihm auch geſtattet wurde; die Seinigen fanden ihn beim Leſen des heiligen Buches; er hatte die Pſalmen aufgeſchlagen und ſchöpfte Troſt und Frieden aus den Worten des kö⸗ niglichen Sängers.
„Selma!“ rief er überraſcht beim Eintritte der Frau und ſeiner Kinder.„Du kommſt zu mir, Du haſt mir vergeben? O! das iſt mehr, als ich erwarten durfte.“
„Was die Liebe verſchuldet hat, weiß auch die Liebe zu verzeihen. Klage Dich nicht an, denn auch ich trage ſchwer mit an Deiner Schuld.“
Er hatte Vorwürfe erwartet, verzweifelte Aus⸗ brüche des tiefſten Schmerzes und fand die hinge⸗ bendſte Liebe und eine Faſſung, die alle ſeine Hoff⸗ nungen bei weitem überſtieg. Die Rührung überwäl⸗ tigte ihn und weinend druückte er die treue Gattin an ſein Herz. Seine Thränen floſſen, nicht mehr die Thränen der Trauer, ſondern der himmliſche Thau, der den Unglücklichen erquickt und die verdorrten Blüten des Gemüthes wieder aufrichtet. Er hatte ihre Hand ergriffen, die er nicht mehr losließ und mit ſeinen Küſſen bedeckt. Noch wagte Friedrich nicht hervorzutreten, ſein Anblik wurde durch Martha und Eugenie, welche den Vater umringten, verdeckt; er
—,—


