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Der Geheimrath : ein Lebensbild / von Max Ring
Entstehung
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Tief erſchütternd war dieß Wiederſehen. Unter dem Gewicht der letzten Ereigniſſe war Reisland zu⸗ ſammengebrochen, ſeine hohe, impoſante Geſtalt ge⸗ knickt, der Glanz ſeiner Augen erloſchen, ſeine Wangen bleich und abgezehrt; aber auch ihn hatte das ver⸗ diente Geſchick im gewiſſen Sinne veredelt und geklärt. Der aufreibende Kampf, welcher Monate lang ge⸗ dauert hatte, war zur Ruhe gekommen; die Span⸗ nung hatte nachgelaſſen und ſeine zwar leidenden Züge drückten eine ſtille, fromme Reſignation aus. Er hatte mit der Welt abgeſchloſſen, alle irdiſche Eitelkeit voll⸗ kommen abgeſtreift und den wahren Werth der Dinge kennengelernt. Rang, Stellung, Auszeichnung und Achtung, das Alles, worauf einſt ſein ganzes Stre⸗ ben gerichtet geweſen, war von ihm, wenn auch durch eigene Schuld, abgefallen und nichts übrig geblie⸗ ben als die Liebe der Seinigen, die Treue der Fa⸗ milie und die Hoffnung auf die himmliſche Barmher⸗ zigkeit. Der Beamte, in deſſen Gegenwart das Wiederſehen ſtattfand, hatte ſich ſchonend ſo weit zu⸗ rückgezogen, als dieß ſeine Pflicht geſtattete, um durch ſeine Anweſenheit den erſten Erguß nicht zu ſtören. Ein freundlicher Sonnenſtrahl drang durch die ei⸗ ſernen Gitter und beleuchtete die einfachen weißen, aber reinlichen Wände des Gefängniſſes. Reisland

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