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Der Geheimrath : ein Lebensbild / von Max Ring
Entstehung
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ihm ſein Amt gerade in einem Falle auferlegte, wo es ſich um ein Verbrechen eines Mitgliedes aus dem Richterkollegium ſelbſt handelte. Mannigfache Zweifel beſtürmten die Seele des Präſidenten in dieſem Augenblick; er bedauerte das Schickſal des Unglücklichen, er fürchtete nicht mit Unrecht die Schande, welche auf den ganzen Stand zurückfallen, das Rechtsbewußtſein im Volke ſelbſt untergraben und einen öffentlichen Skandal geben mußte; auf der andern Seite aber dachte er an die hohe Auf⸗ gabe der Gerechtigkeit, ohne Anſehen der Perſon und ohne Schonung der Verhältniſſe das Verbrechen zu beſtrafen. In ſeinem ganzen mühevollen Leben war ihm noch nie die Erfüllung ſeiner Pflicht ſo ſchwer gefallen. Endlich kam er bei der Wichtigkeit des Falles und dem tiefen Eingreifen desſelben zu dem Entſchluß, dem Fürſten ſelbſt Vortrag zu halten und deſſen Willensmeinung zuvor einzuholen, obgleich er ſonſt kein Freund der Kabinetsjuſtiz war. Einſt⸗ weilen ordnete er dem Geheimrath an, ſich bis auf weiteres als Gefangener in ſeinem eigenen Hauſe zu betrachten, indem er ihn der polizeilichen Aufſicht unter der ſchonendſten Form übergab. So blieb Reisland allein zurück mit ſeinem unſäglichen Elend,