Druckschrift 
Der Geheimrath : ein Lebensbild / von Max Ring
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22

Ausſicht auf eine Anſtellung, da er nicht mehr auf die Protektion des Vaters rechnen durfte. Gern hätte er bei einem beſchäftigten Rechtsanwalt oder Notar die Stelle eines Hilfarbeiters, ſelbſt eines gewöhn⸗ lichen Abſchreibers angenommen, aber alle derartigen Poſten waren beſetzt und ſeine desfallſigen Schritte nutzlos. Zum Glücke ſiel ihm bei, ein kleines Ta⸗ lent auszubeuten, von dem er bisher gar keinen Ge⸗ brauch gemacht hatte. Er zeichnete und malte be⸗ ſonders ſchöne Blumenſtücke, und Roſalie hatte ſchon öfters nach dieſen Muſtern Stickereien angefertigt, welche großen Beifall fanden. Sie ſelbſt machte ihn darauf aufmerkſam, wie geſucht geſchickte Zeichner in dieſem Fache wären, und forderte ihn auf, einige Blumenſtücke, welche müſſig in ſeiner Mappe lagen, einem bekannten Fabrikanten anzubieten. Die Arbeit geſtel und Friedrich erhielt ſogleich eine Reihe von Beſtel⸗ lungen, die nicht allein hinreichten, ihn vor Mangel zu ſchützen, ſondern ihm ſogar geſtatteten, mit der Zeit eine kleine Summe zu erſparen. Mit dieſer und einer zwar unbedeutenden, aber doch willkommenen Erb⸗ ſchaft, welche ſeiner Frau vonſeiten eines alten Va⸗ terbruders zufiel, begründete er auf Roſaliens Zure⸗ den ein eigenes Geſchäft mit Stickereien und Stick⸗ muſtern. Sein feines Benehmen, ſeine künſtleriſche