23
Bildung verſchafften ihm bald einen bedeutenden Zu⸗ ſpruch, und ſeine Umſtände verbeſſerten ſich mit jedem Tage. Freilich hatte er im Anfange einen harten Kampf mit ſeinem eigenen Stolze und den Vorur⸗ theilen der Welt zu beſtehen, ehe er ſich zu dieſem ungewohnten Auskunftsmittel entſchloß und ſtatt ein Staatsdiener nur ein gewöhnlicher kleiner Kaufmann und Muſterhändler wurde. Bald aber ſöhnte er ſich mit ſeiner jetzigen Beſchäftigung aus, beſonders da ſie ihm eine zwar beſchränkte, aber ſichere und ange⸗ nehme Eriſtenz verſchaffte.— Mit dieſem Schritte hatte ſich jedoch Friedrich den letzten Weg zur Aus⸗ ſöhnung mit ſeinem Vater abgeſchnitten. Vielleicht hätte ihm der Geheimrath noch ſeine Heirat mit der mißliebigen Nätherin verziehen, nie aber konnte und wollte er ihm dieſe Erniedrigung und Beſchim⸗ pfung vergeben, wofür er die Handlungsweiſe ſeines Sohnes nahm. Der bloße Gedanke, daß der Name „Reisland“ auf einem gewöhnlichen Aushängeſchilde ſtand, daß ſein eigener Sohn, von dem er ſich einſt ſo viel verſprochen hatte, jetzt ein gemeiner Krämer geworden war, verſetzte ihn in unausſprechliche Wuth. Erſt jetzt hielt er ſich für den unglücklichſten Vater auf der Welt, für beſchimpft und auf jede mögliche Weiſe gekränkt. Kein Mitglied ſeiner Familie durfte


