288
Und mit der Anmuth duftgewobnem Reiz Konnt' es der blinde Knabe ſchon erſchauen⸗
Von Tag zu Tag' ſank immer mehr die Binde,
Und nun erſt ſah er, was ihn rings umgab.— Ein milder Frühling breitete ſich aus.
In Knospenpracht der Bäume grüne Reih'n, Der Bach mit ſeiner luſt'gen Silberwelle,
Zog magiſch an, des Himmels Luftgewölbe, Der Sonne majeſtät'ſche Allgewalt,
Die Silberheerde mit dem Reihenführer—
In Thränen floß des Knaben Seele über. Da wunderſeltſam prangend, überirrdiſch,
In nie geſchauter, nie gefühlter Schoͤne, Erſchien ein engelgleiches Weſen ihm.
Er fühlt ſo ſanft, ſo mild ſich angezogen— Mehr als vom weiten, hellen Himmelsbogen, Mehr als von aller Sterne lichter Pracht,
Von dieſer holden, ſüßen Wundermacht. Nichts g'nügt ihm mehr, und doch iſt er ſo ſelig, Sein ganzes Weſen fühlt er aufgelöſt.—
Was war das ſüße, ſchmerzliche Gefühl,
Die Wehmuth, das ſonſt nie gefühlte Bangen,
*
—


