Teil eines Werkes 
13. bis 16. Bändchen (1854)
Entstehung
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zerriſſene Herz hinabgeſtiegen, und unter den entſetzlichen Kämpfen des Mißgeſchicks gewann ſie allmählig eine Ruhe, die mit ergebener Demuth vor der Allmacht der Vorſehung ihre Kniee beugte.

Marie hatte wahr prophezeit.

Das Unglück veredelte ſie. Ihre Gedanken irrten nicht mehr ruderlos über ein wimmelndes Meer von Erinnerungen und Hoffnungen hin; ſie leiteten ſie jetzt in Frieden weiter, und während ſie die Schwachheit und Vergänglichkeit des menſchlichen Lebens erkannte, fühlte ſie ſich glücklich und ſtark im Gebet für die Ihrigen und ſich ſelbſt. 3

Sie ſprach auch von ibren früheren Verhältniſſen.

Boijer lebte noch, war aber gänzlich wahnfinnig und man hatte keine Hoffnung auf Beſſerung.

Das Hoſpital Waldſtein war jetzt ſein Zufluchtsort. Von Alfreds letzten Schickſalen hatte ſie ſchon vorher ge⸗ hört, aber jetzt wurde ſie vollſtändig davon unterrichtet.

Als man die Erzählung ſchloß, faltete ſie ihre Hände zuſammen.

Möge jede Mutter, die ein Kind hat, ſagte ſie, ſein Herz im Guten zu erziehen wiſſen. Es iſt des Weibes Pflicht, fügte ſie hinzu,das Herz des Kindes zu erziehen; dem Mann kommt es zu, ſeinen Verſtand zu erziehen.

Ihr Kopf ſank gedankenſchwer hinab.

Ihr Mütter, fuhr ſie dann fort;ach, ihr Müt⸗ er...

Sie ſchwieg einen Augenblick.

Seht mich an, bat ſie dann mit Hanſens Wor⸗ ten;aber denkt an euch ſelbſt.