Teil eines Werkes 
13. bis 16. Bändchen (1854)
Entstehung
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Die Geſellſchaft theilte ſich in kleine Gruppen, die ſich da und dort ergingen.

Auch Sophie blieb nicht lange zurück.

Jespersſon fühlte ſich unwiderſtehlich nach ihr hin⸗ gezogen.

Bald ſaßen ſie auch neben einander. Der Tag war ſo ſchön, die Wogen umkosten ſo freundlich den grünen Strand, die Bäume ſäuſelten um ſie her; dieſe glückli⸗ chen Menſchen aber ſchienen durchaus keinen Eindruck davon zu haben.

Jespersſon liebte; aber er war ein älterer Mann, der ſich unter Stürmen herumgetrieben hatte, und er wußte nur zu gut, daß er unter den Kämpfen des Le⸗ bens gewiſſe Einſeitigkeiten und Eigenbeiten ſeines viel⸗ leicht auch nicht in jeder Beziehung preiswürdigen Cha⸗ rakters eine ſtarre Form hatte annehmen laſſen.

Sophie dagegen war noch ſo jung.

In ihrer Nähe ſah er all ſeine Fehler und ganz und gar keine Verdienſte.

Man ſprach auch jetzt von allem andern, nur nicht von Liebe.

1 Doktor unterbrach ſie ihn endlich,Sie ſind rank.

Ich höre in Allem, was Sie ſagen, daß Ihr Herz leidet.

Sie hören es.

Niemand hat feinere Ohren, Doktor, als das Weib, wenn es gilt, etwas zu hören, was im Herzen eines Mannes vor ſich geht.

Aber, Madame, wenn dem auch ſo wäre?

Herr Doktor, Sie ſind gut gegen mich geweſen, Sie waren mein Arzt, als ich krank und aufgegeben war.

Ich that meine Pflicht.

Wenn ich jetzt Ihr Arzt werden dürfte, ſo weiß ich auch, was ich thun würde.