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„Alſo Sie ſelbſt ſind unſer Wohlthäter?“ fragte ſie.
„Kein Wohlthäter, Madame; aber da ich Ihre Familie ihrer natürlichen Stütze beraubte, ſo wurde es für mich eine theure Pflicht, helfend und tröſtend an ſeine Stelle zu treten, und ich ſchätze mich glücklich, einen ſo großen Verluſt auch nur einigermaßen wieder gut gemacht zu haben.“
Um ihre Rührung zu verbergen, bedeckte Frau Hjelm einen Augenblick das Geſicht mit beiden Händen, aber Alsgſt es wieder erhob, da ſtrahlte es von Freude und
uhe.
„Herr Doktor,“ ſagte ſie,„ſoweit ein Sterblicher einen Fehler gut zu machen vermag, haben Sie es ge⸗ than. Zwei und zwanzig Jahre lang habe ich Sie an⸗ geklagt und zu Gott für Sie gebeten, ohne zu wiſſen, daß der Mörder meines Mannes und der Wohlthäter ſeiner Familie eine und dieſelbe Perſon waren. Künftig werde ich nur noch für Sie beten.“
Jespersſon war inzwiſchen fortwährend der Gegen⸗ ſtand der allgemeinen Aufmerkſamkeit geweſen. Man erblickte in ihm einen Mann von unbändigem Charakter, voll von Kraft und Entſchloſſenheit, der jedoch von einem wahren Gefühl geleitet wurde.
Nie hatte Sophie ihn höher geſchätzt, als in dieſem Augenblick.
Horner wußte jedoch der allgemeinen Stimmung eine heitrere Richtung zu geben.
„Wir ſind hier blos eine Familie,“ ſagte er;„täu⸗ ſche ich mich nicht, Jespersſon, ſo haſt Du Hermann und auch Charlotte ein gewiſſes Verſprechen abgenom⸗ men, das ihnen großes Kopfzerbrechen verurſacht hat, Weit ihr zukünftiges Glück dadurch in Deinen Händen iegt.“
„Die Geſellſchaft verſtand, was Horner meinte; alles ächelte jetzt rings um ihn her.


