A—
190— V ſowie daß die ganze Sache damit vergeſſen ſein ſoll. Verſprechen wir einander das?“
„Ich verſpreche es.“
„Gut; jetzt an unſere Plätze.“
Hermann hatte ſich einen Augenblick erſchüttert ge⸗ fühlt, aber er beherrſchte ſich wieder. Auch Jeſpersſon ſchien weit ruhiger zu ſein, nachdem die Uebereinkunft einmal getroffen war. 3
Schon ſtanden beide auf ihren Plätzen.
Der erſte Schuß gehörte Hermann.
Carl Auguſt hatte verſprochen das Zeichen zu geben.
Als Jeſpersſon ſeinen Platz eingenommen hatte, kreuzte er die Arme auf den Rücken und kehrte ſein Ge⸗ ſicht unerſchrocken gegen Hermann, dann ſchloß er ſeine Augen.
Hermann hatte einen Augenblick Gelegenheit ihn zu betrachten.
Wie offen und rein, wie freundlich und gut erſchien ihm nicht jetzt dieſes Geſicht, das ihm gleichwohl ſo manch⸗ mal von Leidenſchaften und einigemal ſogar von rohen Eingebungen aufgeregt geſchienen hatte.
Es lag ſo viel Würde und Ergebung, ſo viel Muth und Kraft, ſo viel männliche Haltung und doch ſo wahre Demuth darin, daß es Hermann ganz übel zu Muth wurde.
Jespersſon hatte ſeinen Hut abgenommen und ſtand mit entblößtem Haupte da.
Das graue Haar faatterte leicht im Winde.
Als Hermann bedachte, daß er dieſen Mann vor die Stirn ſchießen ſollte, da pochte ſein Herz ſehr un⸗ ruhig.
Aber wenn ich ihn nicht tödte, wandte ſein Verſtand ein, wird er mich tödten.
Aber ſein Herz erhob wieder ſeine Stimme.
Es erinnerte ihn, daß Jespersſon ein Freund ſeines Wohlthäters war, daß er Brieſe von ihm überbracht,


