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Trotz all den Dingen, die ſie ſchon durchgemacht hatte, lebte auch Emma noch immer im ſchönen Früh⸗ ling der Selbſttäuſchung. War ſie unbedachtſam? Sie wußte wenigſtens ſelbſt nichts davon. War ſie ſchwach? Sie dachte nicht daran. Was war ſie? Sie war eine Jungfrau, die von ihrem Herzen geleitet wurde, ohne Kenntniß von all den garſtigen Seiten der Welt, von ihren Schwachheiten und Verläumdungen.
Mit tauſend Hoffnungen und holden Jugendträumen ſpielte ſie noch am Strand ihrer Zukunft und betrachtete die Wogen in der Ferne blos durch ein roſenfarbiges Phantaſieglas. 3
Die Nacht verging, der Morgen brach an, die Sonne erhob ſich ſtrahlend und klar. Der Himmel brei⸗ tete ſich ſo rein aus und die Erde glänzte ſo ſchnee⸗ weiß.
Es war ihr Hochzeitstag.
Sie batte ſoeben ihre Toilette vollendet.
Mit kindlich ſpielendem Gemüth, und dennoch mit Wehmuth auf dem Gruud ihres Herzens hatte ſie vor dem Spiegel in ihre Augen geblickt, gleich als wollte ſie recht tief nachſehen, ob ſie darin entdecken könnte, wie es in ihrem Innern ſtand; aber ſie meinte juſt nichts zu ſehen.
MNiit einem leichten, anmuthigen Morgenkleide ange⸗ than, ſchob ſie den Stuhl vom Tiſch weg und ſank auf denſelben zurück.
Wer kann berechnen, wie ma che Ahnungen und Ge⸗ fühle im Herzen eines jungen Mädchens an ihrem Hoch⸗ zeitsmorgen erzeugt werden? Wer kann all die knoſpenden Lilien zählen, die neue Blätter und Schößlinge in der Tiefe deſſelben treiben?
Emmas Augen ſchloſſen ſich. Was ſie nicht im Spie⸗ gel geſehen hatte, ſah ſie jetzt.
Alle Vorſtellungen Sophiens vom Werth und Ein⸗ fluß des Weibes zeigten ſich vor ihr.


