Teil eines Werkes 
13. bis 16. Bändchen (1854)
Entstehung
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Aber ein Lächeln ſpielte gleichwohl nicht auf ihren Lippen, und keine leichte jungfräuliche Röthe breitete ſich über ihre Wangen; im Gegentheil drückte ſich in ihrem Geſicht ein ſolcher Ernſt aus, als hätte ihr Ge⸗ danke ſeine Fluͤgel auf einem ſtillen, ſonnbeglänzten See ruhen laſſen, während ſie ihr eigenes Spiegelbild darin betrachtete.

Wohin jedoch die Gedanken ſie auch führten, ſo glitt bald eine kleine, düſtere Wolke über ihre Stirne.

Hatte ſie etwas in ſich ſelbſt vermißt? Vermißte ſie gleichwohl in dieſer kleinen Welt, die in ihrem Innern aufblühte, die Liebe, oder war es Hermanns Bild, das noch einmal wie ein Schatten an ihrem Blick vorbei⸗ ſchwebte?

Die Wolke blieb indeß nicht lange da; aber ein Seufzer folgte, als ihre Spur verſchwunden war.

Ein leiſes Klopfen an die Thüre ſtörte ſie in die⸗ ſem Augenblick.

Anna trat ein.

Guſtavs Erzählung von Fräulein Emma hatte dem Mädchen eine ſo innige Ergebenheit gegen ſie eingeflößt. Das hübſche Mädchen erblickte in ihr eher eine ſanfte, gute Fee, wie ſie ſolche aus Märchen kennen gelernt, als ein Weſen aus Erde und Staub gleich andern Men⸗ ſchenkindern. 3

Emma hatte dadurch auch bedeutend auf die Ent⸗ wicklung des Guten und Sanften in Annas Gemüth eingewirkt. Wenn ſie etwas Uurechtes gethan zu haben glaubte, ſo ſchwebte Emma wie ein vorwurfsvolles Ge⸗ wiſſen vor ihren Gedanken; that ſie dagegen etwas, was ihr gut und recht erſchien, ſo kam es ihr vor, als lä⸗ chelte ihr Emmas Bild aufmunternd und freundlich ent⸗ egen.

8 Als die Zeit herannahte, wo Emmas Vermählung mit Alfred vor ſich gehen ſollte, wollte daher Anna auch