27
Für die Guten gehen die Sterne auf, wenn die Sonne untergeht; für die Kalten und die Verbrecher iſt es blos Nacht.
Leiſe öffnete ſich die Thüre zu ihrem Zimmer, und Carl Auguſt trat ein.
Geföolgt von Hermann war er ſo eben nach Hauſe gekommen. Hermann folgte ihm auch dicht auf der Ferſe. Bei der kaum hörbaren Bewegung der Thüre wandte ſich Emma um und bemerkte Hermann beinah zu gleicher Zeit wie ihren Bruder.
„Kommen Sie herein,“ bat ſie mit beinah flü⸗ ſternder Stimme,„kommen Sie herein!“
Hermann war tief erſchüttert. Es war ja auch das letztemal, daß er ſie ſehen ſollte. Es war die Stunde des Abſchieds.
Sein Blick umgab ſie mit dem Glanz eines war⸗ men Herzens, und er ſah nichts anderes als ſie.
Haſtig eilte er vor: er wollte ihre Hand ergreifen, ſie an ſeine Bruſt drücken und ſich vielleicht ebenſo ſchnell wieder entfernen.
Aber Emma begegnete ihm mit ſo viel Unſchuld in ihrem Auge, mit ſolcher Ruhe in ihrem Geſicht und ſol⸗ chem Frieden in ihrem ganzen Weſen, daß er ſich plötz⸗ lich durch die wunderbare Milde, welche ſie umgab, zu⸗ rückgehalten fühlte.
„Warum treten Sie nicht herein, Hermann?“ ſagte ſie,„und auch Du Carl Auguſt... kommt herein und ſetzt Euch Iſt es wahr, Hermann, daß Sie uns wie⸗ der zu verloſſen gedenken?“
„Ich beabſichtige das... ja, ach ja.. 4
Hermanns Heftigkeit hatte ſich bereits gelegt. Emmas Stimme war ſo friedvoll, ſo rein, hatte aber keinen Ausdruck der Liebe. Man höͤrte ihr ſo wohl an, daß ihr Herz jetzt ganz anders geſtimmt war, als das letzte⸗ mal, wo er fie geſehen.


