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Selbſt ihre Liebe iſt nicht ſo ſchön, daß nicht ihr Sieg noch ſchöner wäre.
Emma dachte wohl nicht daran, daß ſie eine Nei⸗ gung beſiegt hatte, aber ſie fühlte ſich dennoch ſo glück⸗ lich in der Ruhe, die ſie wieder gewonnen.
Wie ganz anders, meinte ſie, würde nicht Alfred unter ihrer Leitung werden! Sie würde... ach mein Gott... was würde ſie nicht? Sie würde ihn erzie⸗ hen, würde die Milde ihres Herzens in das ſeinige gießen, ſie würde ihn umſchaffen. Ihre Miſſionsarbeit hatte in ihren Gedanken bereits begonnen, und ſie däuchte ſich ſogar ſchon an dem Ziel und bei dem Augen⸗ blick angelangt, wo ſie in ihm ihr eigenes Werk lieben könnte.
Wie glücklich, wie ſchön, wie liebenswürdig machten ſie nicht dieſe Gedanken! Das Auge ſpiegelte ſie ſo friedlich zurück und die Bruſt hob ſich leicht bei dem Ge⸗ fühl der Befriedigung, das ſie erfaßte.
Sie hatte ein Ziel für ihre Vorſorge und Wirkſam⸗ keit erhalten, ein Ziel, das ihr Gelegenheit geben mußte, ihren vollen weiblichen Werth zu entwickeln.
Bei all ihrer Unbedeutſamkeit und Schwäche meinte ſie jetzt etwas zu bedeuten. Sie war jetzt nicht mehr blos ein Gefühl, ein Seufzer, eine Neigung, ein bloßes an und für ſich ſelbſt, ſondern ſie liebte jetzt auch für etwas Anderes. Es kam ihr vor, als hätte ihr Leben eine höhere Bedeutung, eine ſchönere Beſtimmung er⸗ halten. Die Demuth hat auch ihren Stolz, die Reſtgnation ihre Zuverſicht, der Kummer ſeine Hoffnung.
Das Unglück zermalmt nicht immer. Die recht gu⸗ ten Menſcheu werden dadurch geprüft und veredelt; ſie werden nichtwie Niobe in Steine verwandelt, deren Thrä⸗ nen ewig fließen, ſondern ſie ſchmücken vielmehr wie Daphne ihren Kummer juſt im Augenblick der Verwand⸗ lung mit einem Lorbeerkranz.


