Teil eines Werkes 
13. bis 16. Bändchen (1854)
Entstehung
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2⁵

Sophie ſchien den Schlüſſel zu Emmas Herz voll⸗ ſtändig in ihrer Hand zu haben.

Mit den milden Worten der Liebe und Freundſchaft ging ſie auf alle Bekümmerniſſe deſſelben ein, erforſchte ſeine geheimſten Gefühle, beruhigte und ſtärkte es, brei⸗ tete Licht und Freude darüber.

Emma athmete wieder leichter, und indem ſie dank⸗ bar die Hand der Freundin drückte, begab ſie ſich auf ihr Stübchen, um in ſtiller Einſamkeit den letzten Tag zu genießen, wo ſie noch ſich ſelbſt gehörte.

Man zeichnet das Weib ſo gern von Liebe belebt, von einer warmen Neigung hingeriſſen, tief ergriffen von einem glühenden oder brenuenden Gefühl.

Aber iſt ſie nicht noch ſchöner, wenn eine edle Pflicht ſie belebt?

Die Liebe regt die Wogen des Buſens anf, ſie ſchmückt die Wangen mit zierlich wechſelnden Roſen und befeuert den Blick; das Pflichtgefühl hingegen legt ſeine milde Hand ſo kühlend und beſchwichtigend auf die un⸗ ruhige Bruſt, und ihre Wogen beruhigen ſich, und wenn auch der Blick etwas von ſeiner feurigen Lebhaftigkeit verliert, ſo wird er doch klarer und reiner.

Emma hatte ſich in eine Sophaecke geſetzt und ihre Gedanken ſchweiften umher. Zwar war es ihr, als ſpie⸗ len noch einmal lebendige und lächelnde Cupidos um ſie her; aber bald fielen die Köcher von ihren Schultern und ſie hielten mitten in ihrem ſpielenden Tanze ein, in ſanfte, holde Engel verwandelt, die ſich ſo freundlich näherten und mit weißen Schwingen Bekümmerniſſe und OQualen wegfächelten.

Jedes Mädchen muß einmal in ihrem Leben einen Kampf in ihrem Herzen durchmachen.

Während dieſes Kampfs iſt ſie nicht immer ihrer ſelbſt mächtig, aber Wohl derjenigen, die ſiegreich daraus hervorgeht!