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Wenn Emma auch bei der einen und andern Gele⸗ genheit ſchwach ſchien, ſo war ſie es dennoch nicht. Ihre ſcheinbare Schwäche kam von nichts anderem als von der Unbekanntſchaft mit dem Weſen der Liebe, einer Unbe⸗ kanntſchaft jedoch, die für ſie wie für jedes Mädchen juſt den ſchönſten Schmuck ihrer Jungfräulichkeit ausmachte. Da es an jüngeren Nebenbuhlern ganz fehlte, ſo hatte Alfred ſich allein in ihrer Aufmerkſamkeit feſtgeſetzt. Im Beſitz einer ſchönen Figur und bei der leidenſchaftlichen Sprache, die er führte, wußte er bei ihr die Liebe in ihrer flammenden Geſtalt hervorzurufen. Ohne dieß ſelbſt zu bedenken, wurde ſie von ihm hingeriſſen wie von einem brennenden Wirbelwind und ihre Adern ſchwol⸗ len von einer vorher unbekannten Gluth; ihr Herz wurde von Neigungen erfaßt, die ihr bisher ganz fremd, ja ſo⸗ gar dem Namen nach unbekannt geweſen. Auch dieß iſt Liebe, aber dieß iſt die Liebe im Sinne einer Bachan⸗ tin, und das junge Herz bebte in einer fortwährenden unerſchütterlichen Selbſttäuſchung bis zu dem Augenblick, wo Hermann kam. Von dieſem Augenblick an ſah ſie die Gegenſtände klarer.
Aber der Schleier fiel gleichwohl nicht auf einmal.
Zwar leuchteten viele neue Gedanken in ihrer Seele auf bei Hermanns erſtem Auftreten, aber es wurde da⸗ rin doch nicht völlig Tag, bis er zurückkam und die Ver⸗ kündigung bereits vor ſich gegangen war.
Auf einmal empfand ſie jetzt den ganzen Schmerz ihrer Lage. In welcher Beziehung war ſie ſchwach 2 Nur darin, daß ſie einer Neigung, die ihren Pflichten widerſtritt, auf einen Augenblick Gehör ſchenkte; aber dieſe Pflichten waren ja noch ſo neu... verſtand ſie dieſelben wohl in ihrer ganzen Bedeutung? Gleichviel, ihre Schwachheit für Hermann wurde von ihrem Herzen vertheidigt und der unwiderſtehliche Zug des Gefühls brachte alle Vernunftgründe zum Schweigen.
Wir haben die Kämpfe geſehen, die ſie mit ſich


