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tauchte mitunter eine und die andere Gewiſſensqual in ihm auf, und im Hintergrund ſeiner Phantaſieen trat oft die ſchreckliche Geſtalt eines dunkeln Höllengeiſtes auf. Plötzlich wurde er daher auch jetzt von den herzzerreißend⸗ ſten Qualen erfaßt.
Wir wiſſen, daß er, bevor er ſeinen Poſtraub be⸗ ging, den Gedanken dazu ſchon lange in ſeiner Seele gehegt hatte, aber auch daß er ſich davor entſetzte.
Der Raub wurde in einem Augenblick blinder Ver⸗ wirrung begangen; aber hingeriſſen von den bunten und wimmelnden Ausſichten, welche der Beſitz des Geldes vor ihm öffnete, vergaß er allmählig das Verbrechen ſelbſt.
Ganz anders war es jetzt.
Von all ſeinen heitern, weitausſehenden Hoffnungen blieb ihm Nichts übrig. Ein einziger Augenblick hatte genügt, um ihn von der ſchwindelnden Höhe der Einbil⸗ dungen in den tiefſten Abgrund zu ſtürzen, und jetzt ſah er ſich blos von Dunkelheit umgeben. Sein ſchwa⸗ cher und ſchwankender Charakter wurde von aufregenden und vernichtenden, bittern und ertödtenden Gefühlen durchbebt.
Es war ein Donnerſchlag, der ihn mitten in ſeiner Himmelfahrt getroffen hatte.
Ein Raub unendlicher Angſt, wurde er von Rene
über ſein Verbrechen gemartert.
Aber in der Finſterniß, die ſich um ſeine Seele
wölbte, erinnerte er ſich jetzt auch, daß er ſelbſt Lars ſein Geheimniß verrathen hatte.
Entſetzt von dieſer Erinnerung ſprang er von ſeinem Platze auf: es war pechſchwarz vor ſeinen Augen. Er zitterte. Die Furcht verſcheuchte all ſeinen Muth. Das Herz zog ſich mit peinlicher Unruhe zuſammen. Die Gewiſſensbiſſe riſſen ſich um ſeine Vorſtellungen. Es war nicht Reue, die ihn erfaßte, es war bloß namenloſe, unendlich tiefe, entſetzliche Angſt.


