Teil eines Werkes 
7. bis 12. Bändchen (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

336

er haßte, aber es fehlte ihm nicht an ſelbſtſüchtiger Schlau⸗ heit. Er wollte Alfred herunterreißen, um ihn in ſei⸗ nem niedrigen Kreiſe behalten zu können; er wollte ihm nicht ſchaden, ihn nicht vernichten; er haßte blos Alles, was Alfred von ihm reißen, ihn von der Gewalt be⸗ freien konnte, die er über ihn zu gewinnen wünſchte.

Der Plan war aber auch nicht auf einmal fertig geworden.

Schritt für Schritt bildeten ſich ſeine Abſichten aus, bildeten ſich in Folge unbedeutender Umſtände in dem Maße aus, wie er ſeine erſten Erfolge be⸗ merkte.

Nicht mit einem gierigen Tigerblick ſpielte er mit ſeinem Opfer, ſondern weit eher mit der langſameren, aber gutmüthigeren Tatze eines Bären; er hieb nicht haſtig wie der Tiger ſeine Zähne in den Raub ein, ſon⸗ dern fuhr fort, damit zu ſpielen, ſpielte mit ihm von Jahr zu Jahr, ohne zu ermüden, ohne ſeine Abſichten aufzugeben.

Es wäre nicht ſchwer, Spur für Spur die Ent⸗ wicklung der Erziehung, wie Alfred ſie erhielt, zu ver⸗ folgen, einer Erziehung, wo die Schwachheit auf der einen und der kalte Haß auf der andern Seite dem kindlichen Eigenſinn allen möglichen Vorſchub leiſtete, bis er aus Mangel an Widerſtandskraft auf Neigungen verfiel, kraft deren alle edleren Elemente unaufhörlich mit Mißach⸗ tung und Unbehagen, endlich ſogar mit wirklicher Ver⸗ achtung betrachtet wurden, während die ſchlechteren ſich frei und unbeläſtigt entwickeln durften. Aber wir laſſen dieß dahingeſtellt ſein; genug, wie ſelten auch Alfreds Charakter immer erſcheinen mag, ſo hatte er jedenfalls im wirklichen Leben mehr Brüder als wünſchenswerth iſt. Für diejenigen, die einen Begriff von der Wichtigkeit der Erziehnng, von der Zucht und Ermahnung des Herrn haben, iſt es daher hier unnöthig, jede Ver⸗