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mildeſten auf die ſchwachen Bewegungen ihrer Bruſt herabgeſehen. 2
„Hat,“ dachte ſie,„nicht auch Maja etwas in die für Alle geöffnete unendliche Opferkaſſe Gottes zu legen?“ 4
Kerſtin bereute beinahe, daß ſie Maja ſo ſchnell fortgelaſſen und nicht die Sprache ihres Herzens zu ihr geſprochen hatte.
Konnte ſie nur Maja dazu bringen, daß ſie recht innig betete und ſich von Gott Kräfte erflehte, ſo meinte ſie, daß es auch mit ihr noch immer beſſer gehen könne.
Nur zu denjenigen, deren Herz durch das Gebet recht gerührt iſt, kommt Gott endlich mit ſeiner Stärke.
Gott würde auch zu Maja kommen, glaubte Kerſtin, wenn nur Maja ſich dem Gebet hingäbe.
In ihrem chriſtlichen Wohlwollen gegen ihre Nach⸗ barin beſchloß ſie ſogleich zu ihr hineinzugehen, und in dieſer Abſicht nahm ſie auch das Licht, aber ſie kam nicht weiter als bis zur Thüre.
Im Augenblick, wo ſie die Klinke berührte, überkam ſie eine ſo ſonderbare Bewegung. Nie in ihrem Leben hatte ſie etwas Aehnliches empfunden. Einige Sekunden lang wurde es ſchwarz vor ihren Augen, aber bald dar⸗ auf lichtete es ſich wieder und ſie ſah jetzt gleichſam den Himmel vor ſich offen. Sie wagte es nicht, ſich vom Platze zu bewegen, und ſie wollte es auch nicht. Es war etwas ſo unausſprechlich Liebliches, was ſie empfand, und ſie fürchtete, es möchte in der nächſten Minute ver⸗ ſchwinden. Mit einem Gefühl der Freude und Glück⸗ ſeligkeit, wie nur ein wahrhaft mildes Weiberherz empfin⸗ den kann, ahnte ſie, was in ihr vorging.
„Barmherziger Gott!⸗ flüſterte ſie, und ſie legte dabei die Hand an ihre Bruſt und eine hohe Röthe ergoß ſich über ihre blaſſen Geſichtszüge.„Ach mein
Gott, täuſche ich mich nicht,“ fuhr ſie fort„ſollte es wirklich möglich ſein?“ 7


