achtung oder Kränklichkeit, das Elend oder das verbre⸗ cheriſche Treiben, worein ſie geſunken ſind. Mit düſterer Niedergeſchlagenheit ſah auch Maja jetzt, wie tief ſie gefallen war, und da Kerſtin es nicht über das Herz bringen konnte, die Wunde noch weiter aufzureißen, welche von ſelbſt ſo tief und ſo augenſcheinlich am Lebens⸗ faden des armen Weibes zehrte, ſo ſprach ſie ihre Ge⸗ danken nicht vollſtändig aus, ſondern ließ Maja in ihr Zimmer zurückwanken.
Kerſtin nahm ſodann ihre abgebrochene Lectüre in der Bibel wieder auf.
Aber ſie dachte nicht mehr an ſich ſelbſt, ſondern an Maja.
Es war jedoch nicht Maja's äußere Armuth, was ſie ſo ſehr rührte, ſondern ihr inneres Elend.
Sie las:
„Und er ſah zu und beobachtete, wie die Reichen ihre
Gabe in das Opferbecken legten.
„So ſah er auch eine arme Wittwe, die zwei Scherf⸗ lein hineinlegte.
„Und er ſprach: Wahrlich, ich ſage euch: dieſe arme Wittwe hat mehr hineingelegt, als alle Andern.
„Denn die andern alle haben von ihrem Ueberfluß zum Opfer Gottes hineingelegt; ſie aber hat von ihrer Armuth alles hineingelegt, was ſie beſaß.“
Kerſtin meinte, dieſes gelte auch der geiſtigen Armuth.
Sie erinnerte ſich ſowohl der Zeit, wo auch ſie in Armuth und Elend verſetzt geweſen, und ſie war ſo feſt überzeugt, daß erſt von dem Augenblick an, wo das Gebet recht ernſt in ihrem Innern erwachte, und ſie alles, was ſie beſaß, in Gottes große Opferkaſſe gelegt hatte, die Beſſerung ihres Mannes begonnen und ihre glücklichen Tage angefangen hatten.
Als ſie am unglücklichſten war, hatte Gott am


