Teil eines Werkes 
7. bis 12. Bändchen (1854)
Entstehung
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ſtin ſagte.„Du brauchſt mir nichts zu ſtehlen, denn Du weißt ja wohl, daß Du, ſo lang ich einen Brodlaib habe, immer auch die Hälfte bekommſt, wenn Du mich nur ordentlich und anſtändig darum anſprichſt.“

„Ich war hungrig,“ ſagte Maja.

Maja fluchte und tobte nicht. Ungewöhnlich genug war ſie nüchtern.

„So ſage es denn in Gottes Namen,“ meinte Kerſtin,„aber ſtiehl nur nicht. Was man durch Arbeit gewinnt, das ſchmeckt gut, was man geſchenkt bekommt, iſt bitter, was man ſtiehlt, das ſättigt nicht, ſondern brennt im Munde. Erinnerſt Du Dich nicht des Ka⸗ techismus, Maja? Da ſteht: du ſollſt nicht ſtehlen.“

„Ich ſchämte mich zu betteln.“

Maja's Demuth war die Schlaffheit eines von Branntwein verzehrten Gemüths.

„Wenn Du Dich auch ſchämteſt zu ſaufen, Maja,“ bemerkte Kerſtin,„ſo hätteſt Du nicht nöthig zu

betteln.“

Kerſtin war ungewöͤhnlich mild geſtimmt. Sie hatte ſoeben Gottes Wort geleſen, und gleich einem himmliſchen Schein ruhte der Eindruck noch auf ihrem ganzen innern Weſen. Ihre Freundlichkeit war die Güte eines von der Religion erquickten und belebten Gemüths.

„Komm herein, Maja, ſo will ich Dir etwas zeigen.“

Als ſie ins Zimmer kam, ſchlug Kerſtin die Cpiſtel Jacobi, das erſte Capitel auf:

„Niemand ſage,“ las ſie Maja vor,„wenn er ver⸗ ſucht wird, daß er von Gott verſuchet werde; denn Gott verſuchet Niemand, er verſuche denn ſich ſelbſt.“

Im Rauſch ſehen Diejenigen, die ſich der Völlerei hingegeben haben, ihre Erbärmlichkeit nicht, wohl aber, wenn ſie nüchtern geworden ſind. Mit Gewiſſenspor⸗ würfen und ſcheuer Reue betrachten ſie dann die Ver⸗