kam jedoch das Wort in Anders Anweſenheit über ihre Lippen. Sie ſah wohl wie ſehr er ſelbſt den gleichen Wunſch hatte, und ſie wollte ſeinen Kummer nicht ver⸗ mehren; aber je geheimer ſie ihren Wunſch vor ihm hielt, um ſo lebhafter ergoß er ſich in Gebeten zu Gott, wenn ſie allein war, und dann fielen ihre Gedanken immer auf Mariä Verkündigung. Jeden Abend... das war zu einer ordentlichen Gewohnheit bei ihr geworden... las ſie daher, was die heilige Schrift darüber erzählt, und ſie hatte dieſe Stelle ſo oft geleſen, daß, wenn ſie jetzt die Bibel vorzog, das betreffende Capitel immer von ſelbſt ſich vor ihr öffnete, wie wenn eine unſichtbare Hond es aufgeſchlagen hätte.
Dieſen Abend hatte ſie ſich mehr als gewöhnlich der religiöſen Verzückung hingegeben, welche dieſe Stelle in ihrem Herzen hervorrief. Das Muttergefühl war ſo reich und vollkommen in ihrer Seele entwickelt; aber ihr Schooß war leer. Sie hatte Niemand, in deſſen Leben und Weſen ihre ganze Liebe ſich zurückſpiegelte, und ſie ſeufzte ſo ſchwer.
Während ſie ſo daſaß, hörte ſie im äußern Zimmer ein leiſes Getöſe und Gepolter und ſie lauſchte.
Das Getöſe fuhr fort... es wurde noch ärger... ſie hörte ſogar, wie etwas Hartes auf den Boden fiel. Je ſtiller es vorher um ſie geweſen war, um ſo mehr zog jetzt das ihre Aufmerkſamkeit an. Leiſe ſchob ſie alſo die Bibel weg und begab ſich mit dem Licht hinaus, um zu ſehen was es war. Aber ſie blieb ganz verwundert auf der Schwelle ſtehen, als ſie hinauskam und Hanſens Frau, Maja, ſah, welche bleich und entſtellt, zerlumpt und ſchmutzig auf einen Stuhl geklettert war, und im Begriff ſtand, von ihrem Brodbrett einen Laib zu ſtehlen. Als Maja, die geglaubt hatte, Kerſtin ſei ſchon lange eingeſchlafen, ſich entdeckt ſah; ſprang ſie erſchrocken vom Stuhl herab.
„Schäme Dich, Maja,“ war das Einzige, was Ker⸗


