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Je weiter der Abend vorſchritt, um ſo düſterer wurde ſie auch. Das Alfred gegebene Verſprechen, daß er ſich ein⸗ finden dürfe, nahm tauſenderlei Geſtalten an. Bald ſtand es lächelnd und bezaubernd, bald kalt und höhniſch vor ihr; bald meinte ſie, es winke ihr wie eine tanzende Ba⸗ jadere, welche ſie verführeriſch in die verzauberten Luſt⸗ gärten nach ſich führe, aber im nächſten Augenblick fiel die Maske vom Geſicht des verlockenden Traumbildes und ſie erblickte in ihm eine Furie, welche ſie an den Rand eines bodenloſen Abgrunds verlockt habe. Obſchon voll⸗ kommen wach, träumte ſie dennoch. Sie meinte am Rande der Tiefe zu ſtehen, ſie ſah, wie die Furie gleich einem düſtern Schatten immer höher über ſie emporwuchs, und mit Entſetzen fühlte ſie, daß ſie von ihr ſachte hinab⸗ geſchoben wurde. Dieſe Vorſtellung ſchwebte ihr ſo leb⸗ haft vor, daß ſie zuweilen ſogar ihre Hand ausſtreckte, gleichſam um ſich im Fallen halten zu können.
In dieſer Stimmung ſagte ſie ihren Eltern gut Nacht und begab ſich auf ihr Zimmer hinauf.
Einen Augenblick hatte ſie ſich mit dem Gedanken getröſtet, daß Alfred blos geſcherzt habe, aber wenn ſie ſich ſeines wilden, brennenden Blicks erinnerte, ſo verdun⸗ ſtete dieſer tröſtende Gedanke wie ein von Sonnenſtrahlen verjagter, farbenſchimmernder Nebel.
Einen andern Augenblick bildete ſie ſich ein, er werde nicht kommen, aber auch dann meinte ſie in ſein leidenſchaftliches Geſicht zu ſehen und die Hoffnung ver⸗ ſchwand.
Während dieſes Kampfes zwiſchen den guten und finſtern Mächten in ihrer Seele ſtürzte jedoch der ganze, von einer unreifen, kindlichen Laune errichtete Zauber⸗ palaſt, wo Alfred bisher ein Zimmer gehabt hatte, in ihrem Herzen ein.
Sie mußte einen Entſchluß faſſen, aber welchen Ent⸗ ſchluß ſollte ſie faſſen!


